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Castellers - die menschlichen Türme

Das Bauen der Castells ist in Barcelona eine junge Tradition

Die Anfänge dieser katalanischen Tradition, immer höhere menschliche Türme zu bauen, geht auf das 18. Jahrhundert des vorherigen Jahrtausends zurück. In der kleinen Stadt Valls, etwa 40 Kilometer westlich von Barcelona entfernt, fingen die Bewohner erstmals an, die Türme zu bauen. Die einzelnen Gruppen (Colles) begannen auch, in sportlichen Wettkämpfen sich gegenseitig zu überbieten. So ist nicht nur der Burgenbau an sich entstanden, sondern gleichzeitig auch der Wettbewerb. Im November 2010 wurde der Menschenturmbau in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Die Ebenen eines Castells

Die damaligen Türme ähneln sehr den heutigen, die prinzipielle Struktur eines Castells, wie die Burg auf katalanisch heißt, hat sich kaum verändert. Ein solcher Turm besteht immer aus drei Teilen. Das Fundament bildet die "Pinya", ein relativ breiter Ring, auf dem sich die Last verteilt und die Struktur stabilisiert. Dieser Ring dämft auch den Fall der Castelleres, wenn der Turm einmal zusammen brechen sollte.
Je nach Höhe des Turms, werden noch ein oder zwei zusätzliche, kräftige, ringförmige Etagen ("Manilles") auf der Pinya gebaut.
Darüber kommt der eigentliche Turm. Der "Tronc", katalanisch für Stamm, besteht aus mehreren Etagen mit jeweils einer bestimmten Anzahl an Personen. Je nach Verteilung und Anzahl der bis zu 9 Personen eines Ringes hat jedes Castell seinen eigenen Namen.
An die Spitze des Turms klettern zu dürfen, ist wegen ihres geringen Gewichts, Kindern vorbehalten. Sie bilden die "Pom de Dalt", die Kuppel.

Aufbau des Castells

Weltkulturerbe

Seit 2010 gehören die menschlichen Türme aus Katalonien zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Technik des Aufbauens wird häufig geübt, jeder Casteller hat seine eigene Position und Funktion innerhalb des Castells, auch wenn die Pinya für außen stehende eher zufällig zustande gekommen scheint. Steht die Pinya, klettern die Mitglieder der Manilles in einer festgelegten Reihenfolge darauf und bilden die ersten Ringe. Die Stärksten müssen dabei die meiste Last tragen, sie stehen und unten, die leichteren kommen oben in den Turm.

Zuletzt klettert der oder die "Anxenta" auf die Spitze hoch und verweilt dort nur wenige Sekunden, um den Arm zu heben und die Menge zu grüßen. Der Turm ist gekrönt und das Ziel fast erreicht. Das Castell muss nun nur noch wieder abgebaut werden, ohne einzustürzen, ein ebenso kniffliger und einstudierter Prozess wie der Aufbau. Die Kinder tragen heute oft einen Schaumstoffhelm.

Es gibt auch einige besondere Varianten, bei denen der Stamm in umgekehrter Reihenfolge gebaut wird. Es wird eine Etage gebaut und diese dann jeweils nach oben geschoben und die nächste, untere Etage wird gebildet.

Beim Aufbauen spielt man mit einer Flöte und Trommel den "Toc de Castells", eine Melodie, die die Phasen des Turmbaus anzeigen und die Emotionen anheizen soll und auch den Ein-und Auszug der Castellers begleitet.

Vorführungen

Traditionell führen die Castellers ihren Turmbau während der Hauptveranstaltung größerer Feste vor. Hierzu kommen meist drei Colles zusammen und erstellen ihr menschliches Bauwerk. Die Turmbauten finden heute viel häufiger auch außerhalb der Feste statt, die eigentliche Saison ist von Juni bis November.
Auf der Website der Castellers de Catalunya finden Sie die aktuellen Termine. Sie sollten sich einen Turmbau auf jeden Fall ansehen, es ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Castellers in Barcelona

Der Bau Castellers ist eine eher ländliche Tradition, was auch erklärt, warum in der Großstadt Barcelona recht spät, nämlich 1969 ein Verein gegründet wurde, die Castellers de Barcelona. Die Mitglieder der Gründerzeit des Colls sind meist zugereiste aus der Stadt Vilafranca, nicht weit von Barcelona entfernt. Zwar gab es schon frühere Gruppen, diese blieben aber erfolglos und bestehen heute nicht mehr.
Die Castellers de Barcelona entwickelten ihre Technik immer weiter und die Türme wurden immer höher.

Wurden in den 70er-Jahren des vorherigen Jahrhundert noch 7-stöckige Castells gebaut, sind es heute 9 Ebenen. Diese Schwierigkeitsstufe haben aber bisher nur 10 Colles des Casteller-Verbandes geschafft. Im "Coordinadora de Colles Castelleres de Catalunya" sind 60 Colles vertreten.

Herkunft der Tradition des Bauens menschlicher Türme

Die Castells sind aus einem Traditionellen Volkstanz in der Stadt Valls hervorgegangen. Die Schritte des Tanzes wurden mit der Flöte, wie sie heute noch während des Turmbaus gespielt wird, begleitet. Am Ende des Tanzes wurde ein kleiner Menschenturm gebaut. Dies muss wohl den Ehrgeiz der Tänzer angespornt haben: die Türme lösten sich mit der Zeit vom Tanz und rivalisierende Gruppen begannen immer aufwändigere Türme zu bauen. Man vermutet, dass Ende des 19. Jahrhunderts des vorherigen Jahrtausends, sich der Turmbau vom Volkstanz löste.


Vollständigen Auf-und Abbau eines Castells

Auch das passiert: Ein Castell fällt in sich zusammen. Dies sieht dramatischer aus, als es ist. Zum Glück gibt es nur selten ernsthafte Verletzungen.



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